Hauptinhalt

Linz ... in Arbeit

Linz ... in Arbeit┇Ausstellung┇Sommersemester 2026┇Studio städtebau

Im Wes­ten, Nor­den und Osten von den Glei­sen der West­bahn, im Süden von der Auto­bahn begrenzt, ent­spricht Linz Cen­tral grob dem sta­tis­ti­schen Bezirk Bul­ga­ri­platz. Mit 2,5 km² ist Linz Cen­tral in der Grö­ße ver­gleich­bar mit dem 1. Bezirk in Wien, der Salz­bur­ger Alt­stadt oder dem Grach­ten­gür­tel von Ams­ter­dam und mit über 18.000 hier gemel­de­ten Men­schen der zweit­dich­test besie­del­te Bezirk von Linz. Linz Cen­tral ist his­to­risch gese­hen erst seit der Ein­ge­mein­dung 1873 Teil von Linz. Das heu­ti­ge städ­te­bau­li­che Sys­tem und sei­nen städ­ti­schen Maß­stab erhielt es in der Grün­der­zeit mit dem Gene­ral­re­gu­lie­rungs­plan 1888. Bis dahin stell­te die West­bahn­schlei­fe die infra­struk­tu­rel­le Bar­rie­re der Stadt­ent­wick­lung dar. Auch die­se rela­tiv spä­te Ein­glie­de­rung des vor­mals rura­len Umlands mag ein Grund für die bis heu­te andau­ern­de Unter­schät­zung die­ses Stadt­be­reichs sein.


Denn »drü­ber­halb« der Bahn befin­det sich der Bereich für vie­le weit abseits der gefühl­ten Stadt­mit­te und des Her­zens der Stadt. Unter­füh­run­gen erschwe­ren psy­cho­lo­gisch das Wech­seln zwi­schen den Sei­ten, frag­men­tie­ren den städ­ti­schen Kon­text und ver­hin­dern ein Zusam­men­wach­sen. Dem Bahn­hof fehlt der Süd­aus­gang, der das Poten­zi­al gehabt hät­te, die Stadt dies­seits und jen­seits zu ver­bin­den. Das Musik­thea­ter schließt mit sei­ner Rück­sei­te das städ­te­bau­li­che Nord-Süd-Nadel­öhr wie ein Pfrop­fen. Linz Cen­tral ist im kol­lek­ti­ven Bewusst­sein eben alles ande­re als zen­tral und bleibt in der Ent­wick­lung oft »unterm Radar«. Doch spä­tes­tens in der Betrach­tung der Stadt­re­gi­on wird Linz Cen­tral Kno­ten­punkt und DER STADT­TEIL, in dem zukünf­ti­ge Ent­wick­lun­gen pro­duk­tiv dis­ku­tiert wer­den können.


Linz Cen­tral ist ein arbei­ten­der Stadt­teil. Ursprüng­lich geprägt durch den Las­ten­bahn­hof, die Poschau­er Braue­rei oder die ÖBB Wer­ke, schreit das Gebiet heu­te auf ver­schie­de­nen Ebe­nen laut »Struk­tur­wan­del!«. Der pro­du­zie­ren­de ange­stamm­te sekun­dä­re Wirt­schafts­sek­tor ver­lässt den Stadt­teil, der Umbruch oder auch Auf­bruch ist an vie­len Stel­len sicht­bar. Linz Cen­tral ist in Bewe­gung. Die­se Trans­for­ma­ti­on bringt teils gro­ße räum­li­che Maß­stabs­sprün­ge mit sich und das sowohl in die Höhe mit ver­schie­de­nen Hoch­h­aus­stand­or­ten als auch in die Flä­che mit der Neu­ord­nung des ehem. Brau-Uni­on Are­als. Dabei kann die Stadt­um­nut­zung des Las­ten­bahn­hofs zur Grü­nen Mit­te nicht mehr als Blau­pau­se für eine zukunfts­wei­sen­de Wei­ter­ent­wick­lung von Linz Cen­tral hin­sicht­lich der Bezie­hung zwi­schen Arbei­ten und Woh­nen gel­ten. Dazu haben sich die öko­lo­gi­schen, sozia­len und öko­no­mi­schen Rah­men­be­din­gun­gen in den letz­ten Jah­ren zu sehr verändert.


Linz Cen­tral ist hoch dis­pa­rat: Hier tref­fen unver­mit­telt Hoch­häu­ser auf Klein­gar­ten­sied­lun­gen, Indus­trie auf Woh­nen, Leer­stand auf Beton­gold, Stadt­ma­gis­tra­len auf Schleich­we­ge. Linz Cen­tral ist gleich­zei­tig grau und bunt schil­lernd. Die­se Gleich­zei­tig­keit, die Über­ra­schun­gen und wil­den Brü­che zeich­nen Linz Cen­tral aus. Die Aus­stel­lung begibt sich auf die Suche nach neu­en Per­spek­ti­ven und Zusam­men­hän­gen, auf die Suche nach einer neu­en, nach­hal­ti­gen Visi­on der Umbau­kul­tur für die­sen Stadt­teil. Linz Cen­tral ist in sei­ner Viel­schich­tig­keit zu 100 % Linz und birgt die gro­ße Chan­ce, die Stadt poly­zen­tral gedacht für alle Bewohner:innen wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. Das gemein­sa­me Ziel im Wei­ter­den­ken und Wei­ter­bau­en für eine Urba­ni­tät des 21. Jahr­hun­derts heißt: Lasst uns in der Stadt­ent­wick­lung Wie­der-Mischen, was ver­träg­lich ist, damit aus dem Neben­ein­an­der neue, ver­dich­te­te Syn­er­gien ent­ste­hen, die ein neu­es Zusam­men­le­ben ermög­li­chen. Lasst uns absi­chern und ver­dich­ten, was geschützt wer­den muss, damit aus Trans­for­ma­ti­on kei­ne Ver­drän­gung wird. Lasst uns auf eine zukunfts­fä­hi­ge Ent­wick­lung ach­ten, die Aus­tausch, Kom­mu­ni­ka­ti­on und Mischung för­dert. Lasst uns die all­täg­li­chen Schät­ze im Stadt­teil ent­de­cken und als Grund­la­ge nut­zen, die­sen in Archi­tek­tur, Frei­raum und Mobi­li­tät nach­hal­tig wei­ter zu bau­en. Lasst uns dabei beson­ders auf Nach­hal­tig­keit und Kli­ma, eine ver­netz­te Nah­mo­bi­li­tät und ein sozia­les Mit­ein­an­der schau­en. Denn nur so ent­steht mehr als die Sum­me aller Einzelteile.

Fotos: Vio­let­ta Wakolbinger