Ein Dach für alle┇Entwerfenprojekt Wintersemester 2024┇Studio Typologie
Anna Wickenhauser mit Natascha Peinsipp und Martin Bauer
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Ein Dach ist eine Konstruktion, die darunter liegende Räume und Flächen nach oben hin abschließt und sie dadurch vor Sonne, Witterung und anderen von oben eindringenden Einflüssen schützt. (wikipedia)
Die Entwicklung des Daches lässt sich weit zurückverfolgen. Jäger und Sammler errichteten die ersten Gebäude mit pultdachähnlichen Formen aus Stangen, die mit Gras oder Fellen bedeckt waren. Als die Menschen sesshaft wurden, entstanden in tiefen Gruben Behausungen mit Satteldächern. Mit der Zeit entwickelten sich Häuser mit senkrechten Wänden, wodurch die Gruben an Bedeutung verloren. Sattel- und Walmdächer schützten diese Bauten.
Das Dach in seiner variablen Form ist das Zelt. Ein Zelt ist ein leichter, oft temporärer Bau, dessen Hülle aus Membranen wie Textilien besteht. Zelte dienen als vorübergehende Unterkünfte, Versammlungsorte oder Wohnorte für Nomaden.
Das Dach, die älteste Geste, sich zu decken und zu schützen, hängt also auch mit der Konstruktion zusammen, einer fixen oder variablen Form der Konstruktion.
Das Dach hat ursprünglich auch mit dem Bedürfnis zu tun, sich Raum zu schaffen. Ob man sich gerne in einem Raum aufhält oder nicht, hängt von Proportion, der Form, der Materialität und des Lichteinfalls ab.
Ein Dach schafft neben der Schutzfunktion auch einen Begegnungsort.
Sich unter einem Dach zu versammeln, wird in der Sprache auch im übertragenen Sinn verwendet.
Die Aufgabe des Entwurfs ist es, einen Ort des Versammelns unter einem Dach in Form einer Markthalle oder Ähnlichem mit mehrfachen Nutzungsmöglichkeiten zu schaffen. Mit den Entwürfen wird die zentrale, architektonische Frage gestellt, was einen öffentlichen überdachten Versammlungsort in der Stadt ausmacht und welche Bedingungen es braucht, ein Gelingen zu ermöglichen und von der Bevölkerung angenommen zu werden.
Der Planungsort ist der ehemalige Südbahnhof in Linz sein, südlich der noch bestehenden Bahnhofsbauten (um 1836) des aufgelassenen Südbahnhofs. Es sind die letzten erhaltenen Gebäude des ehemaligen Bahnhofes der Pferdeeisenbahn. Die Bestandsgebäude und der bereits vorhandene Markt sollen in den Entwurfs- überlegungen integriert werden.
Neben städtebaulichen und funktionalen Fragen spielen Überlegungen zur gewählten Konstruktion und Materialität im Hinblick auf Nachhaltigkeit und Wiederverwend- barkeit eine wesentliche Rolle im Entwurf.
Wenn Lisa Heschong in ihrem Buch “Thermal Delight in Architecture” meint, places that remind us of the presence of people, of the life and activities that they generate, capture a sense of warmth, so sollte diese Wahrnehmung einmal mehr in die Überlegungen zu raumklimatischen Ideen einfließen.
Titelbild: Palazzo della Ragione, 1218 – 1306, Padua, Italien | Copyright: Jana Riernössl












