»Du weißt einfach nicht, was die Arbeit ist« (René Pollesch)┇entwurf studio┇Wintersemester 2025/26┇Studio städtebau
Das studio städtebau nimmt in diesem Semester die unruhige Perspektive der »Arbeit« für und in der Stadt Linz ein. Dabei geht es uns nicht um das »eine und das andere Linz«, sondern vielmehr um die Stadt als Verdichtungen von Orten des Austausches. Wir fragen uns im Sinne von Touraine, was die Stadt als Ort eigentlich ausmacht und wie sie eine nachhaltige Grundlage für unser Zusammenleben sein kann. »Das Problem besteht also – um es ganz allgemein zu formulieren – nicht einfach nur darin, herauszufinden, wie man ein Zusammenleben unterschiedlicher Menschen ermöglichen kann, sondern darin herauszufinden, wie man die Offenheit, die Internationalisierung, die Geschwindigkeit, mit der sich die Technologie und andere Dinge in bestimmten Bereichen entwickeln, mit der Vielzahl und der zunehmenden Geschlossenheit der identitäts- oder gemeinschaftsorientierten Reaktionen zusammenbringen kann«, schreibt der Soziologe Alain Touraine schon vor 30 Jahren in seinem Essay »Die Stadt – Ein überholter Entwurf?«
Gerade hier liegt nun die Chance für die Stadtgesellschaft, nicht die Stadt nach alten Bildern und falsch verstandener Morphologie wieder reaktionär (zurück) zu bauen und zu homogenisieren, sondern in der intensiven Auseinandersetzung vor Ort in Linz die Fragen anders zu stellen. »Da die Stadt ein komplexes System ist, muss sie auch wie ein solches behandelt werden, d.h. wie etwas mit vielen ›loops‹, Brüchen, Freiräumen, Räumen von Anpassung und Verwandlung.«
In Teams suchen wir nach der Offenheit in unseren städtischen Räumen, nach der räumlichen Unruhe des Städtischen, nach der Porosität in der gebauten Umwelt, in der sich unsere Alltäglichkeit einrichtet. Dabei nehmen wir die »Arbeit« zum Ausgangspunkt unserer Suche. An fünf ausgewählten Linzer Straßenkreuzungen wollen wir gemeinsam im Team versuchen, uns maßstabsübergreifend dem komplexen System Stadt zu nähern. Dabei geht es aber nicht darum, vermeintliche und offensichtliche Probleme und räumliche Konflikte zu lösen, sondern diese als Orte zu begreifen, die es uns erlauben, uns den wirklichen Fragen nach unserem Zusammenleben in den Städten zu nähern.
Das studio städtebau nimmt sich also einer großen Aufgabe an: Uns dem aus städtebaulich-architektonischer Sicht anzunähern, was unser Zusammenleben im Sinne einer »convivencia« und einer »Ko-habitation« in den Städten ausmacht.
»Du weißt einfach nicht, was die Arbeit ist« stellt drei offene Fragen. Die Auseinandersetzung mit dem Begriff der »Arbeit« einerseits, die Frage, wie »Arbeit« dazu beitragen kann, dass die Stadt wieder ein »Ort des Austauschs« wird und auch die selbstkritische Frage, ob wir in der Stadtplanung und im Städtebau wissen, was eigentlich unsere Arbeit ist.”
Fotos: Therese Eberl








