In Grund und Boden┇Wintersemester 2026/27┇Studio Typologie
Anna Wickenhauser mit Martin Bauer und Jana Riernössl
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Gottfried Semper schreibt in seinen „Vier Elementen zur Baukunst“ von den drei Elementen, die die Feuerstätte als erstes Zeichen menschlicher Niederlassung nach der Jagd schützen. Diese drei Elemente sind das Dach, die „Umfriedung“, also die Wand, und der „Erdaufwurf“, also der Boden, das Fundament.
Der Boden trägt nicht nur unser Wasser und ermöglicht das Wachstum von Pflanzen, er ist auch Lebensgrundlage für Tiere und Menschen.
Am Beispiel einer einfachen Behausung werden wir erarbeiten, inwieweit wir bei unseren Planungen auch den Boden und somit alles, was er liefert, berücksichtigen können. Wie kann Architektur als aktive Antwort auf Klima und Umwelt gestaltet werden? Anstatt auf Heizung, Kühlung oder Dämmung zu setzen, sollen architektonische Strategien entwickelt werden, die die Behausung selbst zu einem Klimaregler machen. Ansätze wie das Eingraben oder teilweise Versenken von Räumen in den Boden könnten eine natürliche Temperaturkonstanz liefern, den Energieverbrauch senken und zugleich neue räumliche Qualitäten schaffen.
Das klassische Einfamilienhaus gilt seit Jahrzehnten als Inbegriff individueller Wohnkultur. Wir wollen diese tradierte Bauform als Labor für architektonische Experimente nutzen.
Behausung soll neu gedacht werden, um auf räumliche, klimatische und gesellschaftliche Fragestellungen zu reagieren. Klassische Grundrisse sollen infrage gestellt und durch unkonventionelle Strukturen ersetzt werden. Raumsequenzen denken, die Aufenthalts- und Rückzugsbereiche neu verknüpfen, Übergänge zwischen Innen- und Außenräumen betonen oder bewusst mit Licht, Dunkelheit und Materialität experimentieren. Der Entwurf soll mehr sein als eine funktionale Antwort: Er soll ein räumliches Narrativ in engem Bezug zur Natur erzeugen.
Recyclierbare Baustoffe bilden die Grundlage des Entwurfs. Wir wollen aus dem Vorhandenen lernen und bestehende Ressourcen transformieren. Wie verändert sich die ästhetische Sprache, wenn Materialien nicht nur nach technischer Effizienz, sondern auch nach ihrer Geschichte und ihrem Wiederverwendungswert ausgewählt werden?
Ein Einfamilienhaus ist nicht nur ein Bauwerk, sondern auch ein Symbol für bestimmte Lebensformen. Wie können architektonische Eingriffe bestehende Konventionen herausfordern? Welche neuen Typologien entstehen, wenn Individualität und Gemeinschaft, Privatheit und Öffentlichkeit sowie Rückzug und Austausch neu verhandelt werden?
Ziel dieser Aufgabe ist die Entwicklung eines experimentellen Konzepts, das den klimatischen Realitäten sowie den gesellschaftlichen Transformationen unserer Zeit gerecht wird. Es geht dabei nicht um eine realisierbare Bauaufgabe im engeren Sinne, sondern um visionäre Entwürfe, die Grenzen überschreiten und neue Denkmodelle eröffnen.
Titelbild: Thomas Struth – Paradise 14, Yakushima, Japan, 1999

























